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  LGA: Premium Cup - Interviews und Hintergründe - Runde 5

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"Internet wird das Fernsehen ablösen"

Raj Tischbierek ist in mehreren Funktionen in Nürnberg - als Teilnehmer in Gruppe B beim LGA Premium Schach Cup, als intimer Kenner und Beobachter der Schach-Szene und nicht zuletzt als Journalist und Herausgeber der Zeitschrift "Schach". Also jede Menge Gesprächsstoff für ein Interview, in dem der 50-Jährige kein Blatt vor den Mund nimmt. Offen spricht er über das Frauenschach in Deutschland, das Image des Schachsports und über die Macht des Internets.

Herr Tischbierek, heute Mittag haben wir uns mit Hanna Marie Klek und Filiz Osmanodja unterhalten, zwei der besten deutschen Nachwuchsspielerinnen. Was trauen Sie den beiden zu?

Sie müssen nur noch etwas besser werden, dann schaffen sie den Sprung in die Nationalmannschaft. Für die Schach-Olympiade im kommenden Jahr sind beide heiße Kandidatinnen. Aber, und ich denke, dass ist ihnen auch bewusst: Sie werden nicht annähernd an die Weltspitze herankommen.

Das müssen Sie uns erklären…

Deutschland ist im Frauenschach keine Größe. Wir haben mit Elisabeth Pähtz nur einen weiblichen Profi. Sie kann vom Schach leben, andere hingegen nicht. Die Förderung der Spitzenspielerinnen ist in anderen Ländern wie etwa Georgien deutlich besser; es gibt auch mehr Profis. Auch wenn der deutsche Nachwuchs bei Europa- und Weltmeisterschaften oft gut abschneidet - das bedeutet nicht automatisch Weltklasse. Denn bei diesen Meisterschaften sind die Weltbesten meist nicht dabei. Die konzentrieren sich eher auf große Turniere und die Grand-Prix-Serie.

Welche Erfahrungen haben Sie als langjähriger Betreuer der deutschen Frauen-Nationalmannschaft bei großen Turnieren gemacht? Gibt's da öfter mal Streitereien?

Wenn fünf Frauen zwei Wochen lang zusammen sind, kann es schon mal Stress geben. Das ist dann auch für die Betreuer nicht sehr angenehm. Im Moment ist aber die Stimmung gut, es vertragen sich alle. Und wenn die Mannschaft harmonisch ist, macht's Spaß. Für mich sind diese Einblicke natürlich auch nützlich, um über die Turniere zu berichten.

Sie könnten also auch Interna ausbreiten - warum tun Sie's nicht?

Ich schreibe grundsätzlich keine Interna. Das verbietet sich einfach. Ich versuche, "Schach" so anspruchsvoll wie möglich zu machen. Mir ist bewusst, dass mir damit eine bestimmte Klientel verlorengeht, die zum Beispiel solche Interna gerne lesen würde.

Damit unterscheiden Sie sich von anderen deutschen Schachzeitschriften. Müssen Sie in Zukunft nicht mehr aufs "Boulevard" setzen, um neue Leserschichten zu erschließen?

Jede Schach-Zeitschrift wird anders gemacht, jede spricht ein anderes Publikum an, jede hat ihre Stammleser. Das ist in Ordnung so.

Können alle Schach-Zeitschriften in der modernen, sich rasant verändernden Medienlandschaft überleben?

In Deutschland gibt es zurzeit 4-5 Schach-Zeitschriften, fast schon zu viele. Ich denke, in etwa zehn Jahren wird der Markt ausgedünnt sein.

Macht das Internet den Herausgebern zu schaffen?

Klar - das Internet ist eine große Konkurrenz. Andererseits ist es ein unglaublich gutes Medium für Schach. Mit Fernsehsendungen über Schach wird es sicher nichts mehr werden. Aber das Internet wird das Fernsehen ablösen und ersetzen - man muss sich nur bei großen Turnieren ansehen, wie gearbeitet wird. Kameras, Live-Übertragungen und Live-Kommentare bestimmen die Szene.

Haben Sie es schon einmal bereut, eine Schach-Zeitschrift übernommen zu haben?

Nicht nur einmal. Weniger als 50 Prozent der Arbeit hat mit Schach zu tun. Man muss sich um Papierpreise und den Vertrieb kümmern. Diese Umstände haben in der Vergangenheit mehrere Verleger zermürbt, unter anderem auch einen wie Lasker.

Wie ist nach Ihrer Einschätzung das Image des deutschen Schachs?

Das Image des Schachs ist sehr gut. Aber das Image der Schachspieler ist schlecht. Sie werden als "introvertiert" und "Nerds" in Kästen gesteckt, aus denen sie nicht herauskommen. Dabei passiert viel im Schach. Das Nationalteam war immerhin Mannschafts-Europameister, es gibt zahlreiche gute Opens. Es wird nach meinem Empfinden ein bisschen zu viel gejammert. In Wirklichkeit ist der Stellenwert des Schachs in Deutschland nicht so schlecht.

Was muss passieren, um den Schachspielern ein besseres Image zu verpassen?

Uns fehlt eine eloquente Figur, ein starker Spieler, der Schach verkaufen kann und den man präsentieren kann. Leider ist so jemand derzeit nicht in Sicht.









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